ERC Consolidator Grant für Ralf Jungmann

Ralf Jungmann, Leiter der Forschungsgruppe "Molekulare Bildgebung und Bionanotechnologie" erhält ERC Consolidator Grant

9. Dezember 2020

Ralf Jungmann, Leiter der Forschungsgruppe "Molekulare Bildgebung und Bionanotechnologie" am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried und Professor für experimentelle Biophysik an der LMU München erhält den Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates. Er ist mit 2,3 Millionen Euro über fünf Jahre dotiert. Jungmann will mit seinem Team neuartige bildgebende Verfahren entwickeln und so entschlüsseln, wie die nanoskalige Organisation von Oberflächenproteinen auf Immun- und Tumorzellen deren Entscheidungsprozesse beeinflusst. Die Techniken könnten grundlegende Einblicke in die molekulare Architektur von Immunzellinteraktionen liefern und die Entwicklung einer neuen Generation von "Muster"-basierten Immuntherapeutika ermöglichen.

Ralf Jungmann

Viele Wirkstoffe beeinflussen gezielt Proteine auf der Zelloberfläche. Vor Kurzem zugelassene Immuntherapeutika etwa binden bestimmte Oberflächenproteine, die die Interaktion von Immunzellen steuern und lösen so eine Immunreaktion gegen Tumore aus.

Obwohl die Zelloberfläche daher ein wichtiger Wirkort ist, ist sie auf Nanoebene bisher schlecht charakterisiert. "Einer der Hauptgründe hierfür sind technische Limitierungen bildgebender Verfahren", sagt Jungmann. "Die derzeitigen Techniken erlauben keine Hochdurchsatzmessungen der räumlichen Anordnung und Interaktion hunderter Proteine mit Einzelmolekülauflösung auf Zelloberflächen", so Jungmann weiter. Mit dem ERC-Consolidator Grant "ReceptorPAINT - Imaging Receptomics as a tool for biomedical discovery" will sein Forscherteam neue bildgebende Verfahren auf der Basis der DNA-PAINT-Mikroskopie entwickeln, um die Visualisierung und Quantifizierung aller relevanten Zelloberflächenproteine mit Einzelprotein-Auflösung zu ermöglichen.

Jungmann und sein Team planen hierzu die räumliche Auflösung der Technik zu verbessern, fluoreszierende DNA-Sonden für alle Zelloberflächenproteine zu entwickeln, sowie alle Sonden gleichzeitig auszulesen. Die verbesserte Methode will der Physiker dann anwenden, um die Organisation hunderter wichtiger immunmodulatorischer Oberflächenproteine auf Immun- und Tumorzellen nanoskalig zu untersuchen.

"Dies könnte es uns ermöglichen, die zentrale Hypothese zu testen, ob die räumliche Anordnung von Oberflächenproteinen auf Immun- und Tumorzellen das Ergebnis ihrer Interaktionen diktiert", fasst Jungmann zusammen. Diese fundamentalen Erkenntnisse könnten ferner die zukünftige Entwicklung von personalisierten Immuntherapeutika der nächsten Generation ermöglichen.

Über Ralf Jungmann
Ralf Jungmann studierte Physik an der Universität des Saarlandes sowie der University of California in Santa Barbara und promovierte an der TU München. Anschließend war er als Postdoktorand an der Harvard University, USA, tätig. 2014 wechselte er als Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an die Fakultät für Physik der LMU und übernahm auch die Leitung der Forschungsgruppe Molekulare Bildgebung und Bionanotechnologie am MPI für Biochemie. Seit 2016 ist Ralf Jungmann Professor für Experimentalphysik an der LMU München.

Über den ERC
Der Europäische Forschungsrat, der 2007 von der Europäischen Union eingerichtet wurde, ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt und finanziert er die besten und kreativsten Forscher jeder Nationalität und jeden Alters aus, um Projekte mit Sitz in Europa durchzuführen. Der ERC hat drei Hauptfinanzierungsprogramme: Starting Grants, Consolidator Grants und Advanced Grants. Der Consolidator Grant richtet sich an Wissenschaftler, der ihre Unabhängigkeit durch den Aufbau eines Forschungsteams festigen und eine erfolgreiche Karriere in Europa fortsetzen möchte.

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