Zwischenfall - Juliane Laitzsch, Katrin von Lehmann, Eva-Maria Schön

Ausstellung vom 19. Juli bis 20. September 2019
Kunstausstellung "Zwischenfall" Bild vergrößern
Kunstausstellung "Zwischenfall"

Es fing ganz beiläufig an.

Die Künstlerin Katrin von Lehmann ging 2012 regelmäßig in die Kantine des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin zum Mittagessen. Die Gespräche mit den Tischnachbarn waren interessant und das Essen gut. Sie wurde neugierig, die Wissenschaftler*innen, ihre Arbeit und Labore besser kennen zu lernen. Zusammen mit den beiden Künstlerinnen Eva-Maria Schön und Juliane Laitzsch entwickelte sie die Idee, künstlerische Arbeiten im Dialog mit den Wissenschaftlern, basierend auf den Laborbesuchen zu erarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine Reihe konkreter Verabredungen mit Wissenschaftler*innen des Instituts zum Mittagessen.

Der jeweils eigenen Neugierde folgend wurden gemeinsam Fragen der unterschiedlichen Vorgehensweisen erörtert:
Was heißt es ein Experiment durchzuführen?
Welche Rolle spielen dabei Bilder/Visualisierungen?
Welche Bedeutung hat das Scheitern?
Wie wichtig ist die Wiederholung?

Von 2012 bis 2017 entwickelten die Künstlerinnen daraufhin eine gemeinsame, künstlerische Arbeitsweise in der Kantine, indem sie, immer größer werdende Pinnwände mit Blättern aus ihren Arbeitsprozessen füllten. Zudem realisierten sie künstlerische Arbeiten in Reaktion auf die gemeinsamen Laborbesuche. Aus diesen Prozessen stammende und weiter entwickelte Arbeiten werden nun im Max-Plank-Institut für Biochemie in München gezeigt. Der Ausstellungsraum ist diesmal ein Durchgang. Die künstlerischen Arbeiten werden im gehen wahrgenommen. Der Blick wandert von einer Wandseite zur anderen und streift auch den Boden. Welche Fragen ergeben sich aus diesen Wahrnehmungen? Welche Rolle spielen Zwischenfälle im Arbeitsprozess von Wissenschaftler*innen und Künstler*innen?

Juliane Laitzsch zeigt Arbeiten aus der Serie „Rosetten und Lebensbäume“. In diesen Zeichnungen bringt sie Formen - Rosetten und Lebensbäume -, für die ein Mustersticktuch von 1811 als Vorlage diente, in Zusammenhang mit Textausschnitten, die sich mit der Ausbildung der Rückenwirbel beim Embryo befassen. Für die räumliche Ausstellungssituation in München wird die Arbeit ergänzt und angepasst.

Katrin von Lehmann
Von ihrem aktuellen, mehrjährigen Projekt ‚Leerstelle des Unbekannten/Nichts stimmt mehr’ zeigt sie verschiedene Serien ihrer Arbeiten auf Papier. Inspiration und theoretischer Ausgangspunkt für das Projekt war das Ergebnis des internationalen, naturwissenschaftlichen Human-Genom-Projekts von 2003. Demnach sind die Gene doch nicht hauptverantwortlich für den genetischen Prozess. Der bisherige Wissensstand wurde damit stark in Frage gestellt. Von Lehmann nimmt die Situation, ein Forschungsgebiet gut zu kennen und dennoch das Feld noch einmal neu aufrollen zu wollen, auf. Die Genetik übernimmt dabei die Rolle eines Referenzraumes, bei der die Information auf etwas Zukünftiges, noch nicht Benennbares verweist. In der praktischen Umsetzung steht die Methode des Experiments im Mittelpunkt.

Eva-Maria Schön
Fotogramme ohne  Negativ, kein Licht, oder nur für einen Moment, wenn sich die Hand über dem lichtempfindlichen Papier bewegt - mit Wasser und Fixiersalz wird diese Bewegung festgehalten - die chemische Reaktion zwischen Papier und Salz macht einen Abdruck möglich - in Sekundenschnelle.

Vernissage: 18. Juli 2019 um 18:00 Uhr
Die Ausstellung ist täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Freier Eintritt!

 
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