Emeritusgruppen

Produktive Pensionäre

Ein Leben ohne Forschung können sich viele Wissenschaftler selbst jenseits der Emeritierung nicht vorstellen – und sie müssen es auch nicht: Am Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) betreiben derzeit vier Direktoren im Ruhestand sogenannte Emeritusgruppen.

Zusammengestellt auf einem Poster zu seinem 65. Geburtstag sind alle Proteinstrukturen, die Prof. Robert Huber aufgeklärt hat.
Zusammengestellt auf einem Poster zu seinem 65. Geburtstag sind alle Proteinstrukturen, die Prof. Robert Huber aufgeklärt hat. [weniger]

Stabil und doch beweglich

Mit seiner Emeritusgruppe untersucht Dr. Günther Gerisch die Aktindynamik bei der Zellteilung und bei zellulären Transport-Prozessen. Aktin ist ein wichtiger Bestandteil des Zellskeletts, das höheren Zellen dank seiner flexiblen Struktur Form und Stabilität verleiht. Zudem unterstützt es sie bei Formveränderungen. Gerisch erforscht den Mikroorganismus Dictyostelium discoideum. Dessen Zellen senden periodisch chemische Signale aus, um sich zu einem vielzelligen Verband zusammenzuschließen.

   

 

Nichts geht über Strukturen

Professor Robert Huber widmet sich der Strukturforschung von Proteinen – mit großem Erfolg. Für die Aufklärung des Reaktionszentrums der Photosynthese bei einem Bakterium wurde er 1988 zusammen mit zwei Kollegen mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Er arbeitet mit der Röntgenkristallographie, um den dreidimensionalen Aufbau von Proteinen bis ins atomare Detail darstellen zu können. Derzeit untersucht Huber die Struktur und Funktion von Proteinen, die von medizinischem Interesse sind. Er betrachtet dabei vor allem Proteasen und Immunmoleküle. Huber ist zudem an „Drug Design“-Programmen mit akademischen und industriellen Partnerinstituten beteiligt.

    

 

Vom Einzelteil zum Gesamtkonzept

Um mehr über zelluläre Abläufe als Ganzes zu erfahren, erforscht Professor Dieter Oesterhelt salzliebende Archaeen. Dafür speist er alle verfügbaren Informationen über die Archaeen in Datenbanken ein. Dann wird daraus ein Netzwerk gefiltert, das die Reaktionsabläufe in der Zelle simuliert. So konnte Oesterhelt schon die Reaktion von Halobacterium salinarum auf Licht korrekt vorhersagen. Künftig will er weitere Komponente hinzufügen, sodass irgendwann das Gesamtmodell einer virtuellen Zelle entstehen könnte.

 
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