Leiter der Forschungsgruppe

Dr. Gurumoorthy Krishnamoorthy
Dr. Gurumoorthy Krishnamoorthy

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Für Wissenschaftler

Wie interagieren Mikroben mit unserem Immunsystem?

Forschungsgruppe „Neuroinflammation und Mukosale Immunologie" (Gurumoorthy Krishnamoorthy)

Bis zu 100 Billionen Mikroben leben im menschlichen Darm. Sie sind unverzichtbar für die
Gesundheit. Veränderungen in ihrem Verhältnis zum Wirt wurden aber auch mit Krankheiten in Verbindung gebracht. Die Multiple Sklerose (MS) ist eines dieser Leiden, wie Gurumoorthy Krishnamoorthys Arbeiten zeigen. Mit seiner Forschungsgruppe “Neuroinflammation und Immunologie der Schleimhaut” spürt er den verantwortlichen Mikroben nach.
MS ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Alleine in Deutschland sind rund 120.000 Patienten von dem schweren Leiden betroffen, das Sehstörungen, Lähmungen und Gedächtnisprobleme verursachen kann. Die Erkrankung wird durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst, bei der die Körperabwehr die schützende Myelinhülle der Neuronen angreift. Fraglich ist aber, welche genetischen und umweltbedingten Faktoren im Einzelnen vorliegen und wie sie zusammenwirken müssen, um die fehlgeleitete Abwehrreaktion zu initiieren. Die Ergebnisse aus Krishnamoorthys Gruppe zeigen, dass normale Darmmikroben des Verdauungstraktes eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose spielen können.
Der Nachweis gelang mit Hilfe eines eigens entwickelten transgenen MS-Mausmodells. Bei intakter Darmflora treten bei diesen Tieren ohne äußere Einflüsse Entzündungsreaktionen im Gehirn auf, die denen einer Multiplen Sklerose beim Menschen ähneln. Tiere mit keimfreien Darm hingegen bleiben von den Schädigungen verschont, bis sie mit normalen Darmmikroben geimpft werden. In folgenden Experimenten am Mausmodell konnte Krishnamoorthys Gruppe zudem einen weiteren wichtigen Auslöser identifizieren: die Zusammenarbeit von verschiedenen Zelltypen des Immunsystems. Bisher war bekannt, dass besonders aggressive T-Zellen die Myelinhülle der Neuronen attackieren. Dafür sind sie jedoch auf die Antikörper produzierenden B-Zellen angewiesen. Ohne die Interaktion der beiden Zelltypen können keine MS-artigen Krankheiten in den Tieren ausbrechen.
Beide Ergebnisse aus den Mausexperimenten unterstreichen einmal mehr, wie komplex dieses Leiden ist. Krishnamoorthys Gruppe wird sich nun zunächst darauf konzentrieren, sowohl die Übel- als auch die Wohltäter unter den Darmmikroben zu identifizieren. Mögliche Kandidaten gibt es bereits: Clostridien und Enterokokken etwa sind Bestandteile einer gesunden Darmflora, können aber beim Menschen T-Zellen dazu bringen, Autoimmunkrankheiten zu begünstigen oder zu verhindern.
MS ist nicht die erste Krankheit, die mit Mikroben im Darm in Verbindung gebracht wird. Allerdings gibt es bisher noch keine Beweise, dass sie auch beim Menschen auf einem Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Darmflora oder auf der Ansiedlung von „Problemmikroben“ beruht. In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Großhadern der LMU möchte Krishnamoorthy nun herausfinden, ob hier ein Zusammenhang besteht. Dafür wird die Darmflora von MS Patienten mit der von gesunden Probanden verglichen.
Gelingt der Nachweis, würde die Ernährung der Betroffenen ins Rampenlicht rücken und könnte neue therapeutische Ansatzpunkte liefern. Eines aber zeichnet sich jedoch jetzt schon ab: Es greift zu kurz, die MS auch weiterhin nur auf Störungen im Immunsystem zurückzuführen.

 
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