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Dr. Felix Meissner

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Für Wissenschaftler

Wie kommunizieren Immunzellen?

Forschungsgruppe „Experimentelle Systemimmunologie" (Felix Meissner)

Im Katastrophenfall müssen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste kooperieren, um ihre Maßnahmen abzustimmen. Ähnlich eng verzahnt, laufen Immunreaktionen im Körper ab, wenn Infektionen mit maßgeschneiderten Abwehrreaktionen bekämpft werden müssen. Felix Meissner möchte mit seiner Forschungsgruppe „Experimentelle Systemimmunologie“ entschlüsseln, wie die Einsatztruppen des Immunsystems zusammenarbeiten - indem er ihre Kommunikation bis ins molekulare Detail aufklärt.
Ein erster großer Lauschangriff gelang ihm in einer vorangegangenen Arbeit: Meissner und seine Kollegen konzentrierten sich dabei auf Makrophagen, die auch Fresszellen genannt werden, weil sie Erreger aufnehmen und verdauen können. Sie bilden zusammen mit dendritischen Zellen die erste Verteidigungslinie des Immunsystems und bestimmen maßgeblich den weiteren Ablauf der Abwehrreaktion. Von ihnen hängt ab, ob und welche weiteren Akteure auf den Plan gerufen werden.
Bei Bedarf können Makrophagen eine Vielzahl anderer Immunzellen mit Hilfe unterschiedlicher Botenstoffe anlocken und instruieren, Bedrohungen auszuschalten oder Heilungsprozesse einzuleiten. Einige dieser Moleküle sind in ihrer Wirkungsweise bereits erforscht. Bestimmte Cytokine etwa übertragen biologische Nachrichten zwischen mitunter weit entfernten zellulären Sendern und Empfängern. Derartige auf ausgewählte Botenstoffe fokussierte Ansätze liefern wichtige Einsichten in die Körperabwehr - und greifen trotzdem zu kurz. Sie repräsentieren nur einige wenige Stimmen in einem vielschichtigen Gewirr aus Botschaften, die von verschiedenen Zellen ausgesandt und empfangen werden.
Die Massenspektrometrie erlaubt, hunderte oder gar tausende unterschiedliche Proteine in einem Gemisch aus Molekülen zu identifizieren. Meissner und sein Team konnten so erstmals die Gesamtheit der von Immunzellen ausgesandten Botenstoffe analysieren. Neben den genauen Mengen von hunderten von Proteinen mit Kommunikationsfunktionen konnte Meissner neue Immunsignale entdecken, die Botschaften zwischen Zellen vermitteln. Er und sein Team werden sich auch künftig auf die erste Verteidigungslinie des Immunsystems konzentrieren, denn noch sind viele Fragen offen. Unklar ist etwa, wie Mikroben als Freund oder Feind einstuft oder wie Entzündungsreaktionen abgeschaltet werden können. 
Antworten auf diese Fragen könnten der Infektionsforschung Anhaltspunkte für neue Therapien bieten. Doch auch andere medizinische Bereiche würden von diesen Erkenntnissen profitieren: Kommunizierende Immunzellen spielen bei allen Entzündungsreaktionen im Körper eine Rolle, also beispielsweise auch bei Rheuma, Arterienverkalkung, Diabetes, Neurodegeneration und vielen anderen Erkrankungen.

 
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